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Nebenberuflich selbstständig: Vorteile und Nachteile

Das Nebengewerbe: Vorteile und Nachteile

Das ist die Frage, die wahrscheinlich jede Gründerin und jeden Gründer umtreibt: ist es ein Vorteil, neben dem festen, (vermeintlich) sicheren Job ein Unternehmen aufzubauen? Oder ist es eher ein Nachteil, wenn man nicht sofort in die Vollselbstständigkeit startet? In diesem Artikel möchte ich dir einige Vor- und Nachteile zum Nebengewerbe aufzählen und dir so - wenn du aktuell mit dem Gedanken der Gründung spielst - bei deiner Entscheidung weiterhelfen.

 

Aber fangen wir von vorne an mit der Frage:

Was ist eine nebenberufliche Selbstständigkeit?

Bist du neben deiner Selbstständigkeit noch in einem festen, abhängigen Beschäftigungsverhältnis als Angestellte*r oder Arbeiter*in, handelt es sich um eine nebenberufliche Selbstständigkeit bzw. um ein Nebengewerbe.

 

Da ich selbst dieses "Modell" für mich nutze, nehme ich mich hier als Beispiel:

Ich arbeite an zwei vollen Tagen in meinem Hauptjob als Teamassistentin, und in meinem Nebengewerbe unterstütze ich meine Kunden als virtuelle und mobile Assistentin im Backoffice und in der Büroorganisation. 

 

Ob das eine Herausforderung ist? Oh ja!

Ob es Spaß macht? Auf jeden Fall!

Kaffeetasse, Laptop, eleganter Kugelschreiber und Klammern liegen auf dem Schreibtisch

Vorteile der nebenberuflichen Selbstständigkeit

1. Sicherheit durch den Hauptjob

Bist du vom Typ her jemand, der eher auf Nummer sicher gehen möchte, dann ist das wohl eines der Hauptargumente dafür, im Nebenerwerb zu gründen. Du kannst weiterhin deinem Job nachgehen, der dir Monat für Monat dein Auskommen finanziert und dir die Miete bezahlt. Gleichzeitig kannst du testen, wie gut deine Businessidee ist und wie du dich als Selbstständige*r in einer ganz anderen Welt zurecht findest. Das Risiko ist so wesentlich geringer und du bist gerade in der Anfangsphase nicht darauf angewiesen, sofort Kunden zu finden und viel Geld zu verdienen. Dein Business kann sich langsam und ohne jeglichen Druck entwickeln. Und ganz nebenbei erwähnt: Oft ist es auch für Familie und Freunde beruhigend zu wissen, dass der (vermeintlich) sichere Job nicht sofort gekündigt wird. Merkst du im Laufe der Zeit, dass sich dein Business in eine gute Richtung entwickelt, besteht immer noch die Möglichkeit, den Arbeitgeber wegen einer Reduzierung deiner Stundenanzahl anzusprechen. 

 

2. Selbstverwirklichung

Eigene Ideen für dein Business entwickeln, ohne dass du dich erst mit jemandem abstimmen musst? Na klar!

Dein Business in eine andere Richtung lenken, weil du dich weiterentwickelt hast? Natürlich!

Für deine Kund*innen ein neues Produkt entwickeln bzw. eine neue Dienstleistung anbieten? Juhuu!

Denn in deinem Nebengewerbe stehen dir alle Möglichkeiten offen dich auszuprobieren und deine eigenen Ideen umzusetzen. Du kannst das tun, worauf du Lust hast und musst dich nicht mit deinen Vorgesetzten bzw. Kolleg*innen abstimmen.

Die Aussicht auf Selbstverwirklichung war für mich persönlich meine größte Motivation, mich nebenberuflich selbstständig zu machen,  und ist daher mein absoluter Lieblingspunkt.

 

3. Dein Business - Deine Regeln

Dadurch, dass dein regelmäßiges Einkommen durch deinen Hauptjob gesichert ist, bist du in der glücklichen Situation, nicht auf das Geld angewiesen zu sein. Erreicht dich also z. B. eine Kundenanfrage, die auf den ersten Blick zwar finanziell lukrativ wäre, sonst aber überhaupt nicht zu dir und deinen Werten passen würde, kannst du diese ohne schlechtes Gewissen absagen. Denn du ganz alleine bestimmst, wie du deine nebenberufliche Selbstständigkeit gestaltest, du legst die Regeln dafür fest und du alleine entscheidest auch, für welche Kund*innen du arbeiten möchtest.

 

4. Du gibst das Tempo vor 

Aus meiner Sicht ein Punkt, den man nicht außen vor lassen darf. Das Geld aus deinem Nebenerwerb ist aktuell "nur" ein lukrativer Zuverdienst, d. h. du kannst dir durchaus auch mal ohne schlechtes Gewissen eine Pause gönnen. Einen Abend ohne am Business zu arbeiten, einen ausgedehnten Spaziergang an der frischen Luft, Gespräche mit guten Freunden. Gerade wenn du wieder einen stressigen Tag im Hauptjob hattest, die Kinder krank sind und du aktuell keinen dringenden Kundenauftrag zu bearbeiten hast. Du bist mit der nebenberuflichen Selbstständigkeit frei und flexibel genug, selbst zu bestimmen, wie du in dein Business investieren und wann du eine Pause machen möchtest.

 

5. Teste dich und deine Geschäftsidee

Du bist unsicher, ob deine Geschäftsidee funktionieren wird? Oder ob du in deiner Rolle als Selbstständige*r bestehen wirst? Wenn du nebenberuflich in deine Selbstständigkeit startest hast du ein geringeres Risiko und kannst in Ruhe ausprobieren, wie dein Geschäft angenommen wird und ob du Spaß an der Selbstständigkeit hast. 

 

6. Lukrativer Zuverdienst

Hast du den ersten Kundenauftrag an Land gezogen? Herzlichen Glückwunsch. Dann wird es wahrscheinlich nicht mehr lange dauern, bis du das auf deinem Konto merken wirst. Der Zuverdienst ist aus meiner Sicht auch ein großer Pluspunkt, der oft keine Beachtung findet. Denn zu deinem Einkommen aus dem Hauptjob schaffst du dir mit deinem Nebengewerbe langsam aber sicher ein zweites, lukratives Standbein.

Frau arbeitet am Laptop

Nachteile der nebenberuflichen Selbstständigkeit

1. Selbst und Ständig

Wenn du mit dem Gedanken spielst, dich selbstständig zu machen, hast du diesen Spruch bestimmt schon mal gehört oder gelesen. Ich finde ihn nicht wirklich schön, musste für mich aber feststellen, dass leider doch etwas Wahres dran ist. Denn gerade in der nebenberuflichen Selbstständigkeit ist Zeit ein knappes Gut und daher gibt es immer eine Aufgabe, die noch dringend erledigt werden müsste. Oft fällt es schwer, eine Pause zu machen und auch gedanklich einfach mal abzuschalten. 

 

2. Doppelbelastung

Ein Nebengewerbe gründen neben dem Hauptjob ist nicht einfach! Du musst in deinem Job volle Leistung erbringen und auch die Kund*innen in deinem Business erwarten von dir, dass du ihre Aufträge zu 100 Prozent erledigst. Damit das funktionieren kann musst du von Anfang an lernen, diese zwei Tätigkeiten strickt zu trennen. Dein Business hat in deinem Hauptjob nichts verloren! Das lenkt dich nur ab und du kannst so meiner Meinung nach nicht die Leistung erbringen, die deine Chefin oder dein Chef von dir erwartet. Wahrscheinlich wirst  du gezwungen sein, je nachdem, wie deine individuelle Arbeitssituation ist, in den Abendstunden, nachts oder am Wochenende zu arbeiten. Auf Dauer kann so eine Doppelbelastung anstrengend werden! Denke auch daran, dass zu deinem Hauptjob und deinem Nebengewerbe noch die Arbeit im Haushalt, die Betreuung der Kinder und vielleicht die Pflege von lieben Personen anfallen kann.

  

3. Wenig Zeit für Freizeit, Familie und Freunde

Nicht zu vergessen sind die zeitlichen Einschränkungen, die mit der nebenberuflichen Selbstständigkeit einher gehen. Ist es dir ernst und möchtest du mit deinem Business etwas erreichen, bleibt dir kaum mehr Zeit für freizeitliche Aktivitäten. Du wirst die meiste Zeit, die du neben deinem Hauptjob und anderen Verpflichtungen übrig hast, für dein Nebengewerbe benötigen. Daher wirst du irgendwann auch mal eine Einladung deiner Freunde oder deiner Familie absagen müssen. Die Personen, die dir wichtig sind und mit denen du bisher gerne und regelmäßig Zeit verbracht hast, werden zurückstecken müssen.

 

4. Weniger Zeit fürs Business

Ein Punkt, der aus meiner Sicht einleuchtend ist. Sei dir von Anfang an bewusst, dass du als Gründer*in im Nebenerwerb einfach weniger Zeit hast, dir dein Business aufzubauen, als wenn du Vollzeit-Selbstständige*r wärst. Das kann frustrierend sein, vor allem wenn du dazu neigst, dich mit anderen zu vergleichen. Da dich das Vergleichen aber auch nicht weiter bringt: Sei realistisch, gib dir und deinem Business Zeit und gehe deinen eigenen Weg!

 

5. Du bist die Chefin bzw. der Chef!

Das soll ein Nachteil für ein Nebengewerbe sein? Auf den ersten Blick vielleicht nicht, aber bedenke, dass du jede Entscheidung, und sei sie noch so klein, für dein Unternehmen selbst treffen musst. Und aus meiner persönlichen Erfahrung heraus kann ich dir sagen, es werden sehr viele große und kleine Entscheidungen auf dich zukommen. Du musst dir z. B. überlegen, wie du deine Aufgaben strukturieren kannst, um produktiv arbeiten zu können. Wie du deine Ablage gestalten möchtest, welche Tools deine Arbeit unterstützen könnten, zu welchem Preis du deine Produkte anbieten und welche Wege du nutzen möchtest, um an Kunden zu kommen. Das alles macht Spaß, ganz klar. Aber es ist auf jeden Fall auch eine echte Herausforderung, die manchmal sehr nervenaufreibend sein kann.

 

6. Fehlendes professionelles Ansehen

Es kann durchaus vorkommen, dass du in deinem persönlichen wie geschäftlichen Umfeld auf Menschen triffst, die von einer nebenberuflichen Selbstständigkeit nicht viel halten. Eben weil es "nur" nebenberuflich ist und nicht Vollzeit-Selbstständig. Sie tun sich schwer darin, dich als fleißige*n Unternehmer*in wahrzunehmen und betrachten dein Nebengewerbe eher als Hobby.

Frau tippt auf Tastatur am Schreibtisch

Ein Erfahrungsbericht zum Nebengewerbe

Da das zum Thema passt möchte ich dir noch von einem Telefonat erzählen, das ich vor Kurzem mit einer Selbstständigen aus meinem Nachbarort geführt hatte. Eigentlich war der Anlass des Telefonats ein ganz anderer, aber wir hatten schon lange nichts mehr voneinander gehört und angefangen, über das Business zu quatschen. So habe ich dann erfahren, dass sie sich nach jahrelanger, erfolgreicher Selbstständigkeit mit Beginn der Pandemie im Jahr 2020 einen Job suchen musste. Wegen der geltenden Kontaktbeschränkungen konnte sie nicht mehr arbeiten und hatte so auch keine Einnahmen. Erst war der neue Teilzeit-Job für sie einfach nur "Mittel zum Zweck" um ihre Existenz zu sichern. Doch dann erzählte sie mir auch, dass sie diesen Job immer noch hatte und wie beruhigend es für sie ist zu wissen, dass jeden Monat ihr Gehalt aufs Konto kam. Und wie schön es ist, nach erledigter Arbeit im Job auch tatsächlich Feierabend zu haben. Eine Erfahrung, die sie von der Selbstständigkeit her so nicht kannte. 

 

ABER:
Ganz aufgegeben hat sie ihr Business nicht, denn sie ist jetzt nebenberuflich selbstständig. 

Frau schreibt mit goldenem Kugelschreiber in ein Notizbuch.

Zwei Jahre nebenberuflich selbstständig: Meine Erfahrungen

Ich bin seit 2020 nebenberuflich selbstständig und kenne alle oben genannten Vor- und Nachteile aus eigener Erfahrung. Tatsächlich liebe ich mein kleines Business, welches mir erlaubt, meine Ideen umzusetzen und so viel Neues zu lernen. Ich habe in diesen zwei Jahren viele tolle Leute kennengelernt, mit denen ich mich regelmäßig austausche und unterstütze. 

 

Mein wichtigstes Learning? Mich nicht mit anderen zu vergleichen! Das ist so wichtig. Hinter jedem Business steckt ein anderer Background, niemand hat exakt die Lebenssituation, die Erfahrungen und Umstände, wie ich sie habe.

Als Beispiel nehme ich hier gerne mal wieder mich: Natürlich habe ich als Mama von zwei kleinen Kindern und einem Hauptjob weniger Zeit für mein Nebengewerbe als eine Frau in der gleichen Situation, die keine Kinder hat. Auch wenn das hier ganz logisch scheint hat es etwas gedauert, bis ich das für mich verstanden habe und ich es auch so hinnehmen konnte.

 

Überwiegen also die Vorteile eines Nebengewerbes? Naja, ich möchte hier an dieser Stelle auch ehrlich sagen, dass ich es manchmal als anstrengend und belastend empfinde, wenn meine Gedanken immer um mein Business kreisen und ich oft am Abend noch (so wie jetzt beim Schreiben dieses Artikels) vor dem Laptop sitze und versuche, in kleinen Schritten weiterzukommen und meine Ziele zu erreichen.

 

Ich persönlich möchte es nicht missen, auch wenn manchmal viel organisatorisches Talent gefragt ist und Chaos im Haushalt hingenommen werden muss. Ich freue mich über meine Kund*innen, die meine professionelle Unterstützung und meine Arbeit wertschätzen. Ich freue mich sehr über die vielen kleinen Erfolge, die ich für mich persönlich auf diesem Weg schon feiern durfte. Und wenn mir doch alles mal zu viel wird, gönne ich mir gerne mal eine Pause.

 

Bist du nebenberuflich selbstständig? Und wie sind deine Erfahrungen damit?

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